Nach dem bereits 2007 der erste Two Worlds Teil veröffentlicht wurde und nicht nur Lob erntete, haben wir nun Ende 2010 mit dem zweiten Teil ein wesentlich heißeres Eisen im Feuer. Die Entwickler nahmen sich genügend Zeit um viele Schwachpunkte aus dem ersten Teil zu beseitigen und heraus kam ein rund um gelungenes Rollenspiel, das man nun im Winter und mit viel Zeit super genießen kann. Wer also abseits vom bunten Fable3, nach einem erwachsenen Rollenspiel für die Xbox sucht, der kommt zum Jahreswechsel kaum an Two Worlds 2 vorbei.
Ein Spiel wie Two Worlds 2 ist nicht sonderlich leicht zu bewerten, enorm umfangreich und mit extrem hoher Spielzeit kommt das Ganze daher und verlangt einem erst mal viele Spielstunden ab, bevor man sich ein erstes Urteil erlauben darf. Das erste Fazit daraus wäre schon einmal das Two Worlds 2 alles andere als mal eben durchgespielt ist und dabei über weite Strecken gut unterhalten kann, in so fern man Fan echter Rollenspiele ist. Das Spiel bietet mit dem gelungen Intro und den ersten Szenen einen guten Einstieg in das Spiel und in die Geschichte unseres Helden. Angelehnt an typische Fantasgeschichten wie Herr der Ringe, bietet Euch Two Worlds 2 ein Spiel mit viel Magie, dunklen Herrschern, Monstern, Riesenspinnen und Orks.
5 Jahre nach dem ersten Teil beherrscht der dunkle Imperator Gandohar die Welt Antaloor und unser Held wird in seinem tiefsten Kerker gefangen gehalten. Einmal mehr ist es, wie in Teil 1, Eure Schwester die ihr erretten und erlösen müsst. Überraschenderweise verhelfen Euch die bisher verhassten Orks zur Flucht und die ersten Minuten des Spiels machen Euch ein wenig mit der Steuerung vertraut. Von Beginn an machen sich die Orks, als Eure Begleiter und Befreier sehr gut. Sie wirken abwechslungs- und facettenreich und finden im frühen Verlauf schon den ersten Höhepunkt wenn Ihr auf die geheimnisvolle und mächtige Prophetin Cassara stoßt. Die erste Stunde legt gut los und entlässt Euch dann in eine vermeintliche freie Spielwelt, die ihr aus der 3rd Person erkunden dürft. "Vermeintlich" haben wir dabei gewusst gewählt, denn das Gamedesign ist durchaus linearer Natur, zwar ist es möglich Aufträge nach unterschiedlicher Reihenfolge auszuführen, letztendlich folgt Ihr aber einem vorbestimmten Story-Pfad. Glücklichwerweise bedeutet das aber nicht, das ihr wie durch einen Schlauch lauft, sondern lediglich das Euch das Spiel nicht zu sehr alleine lässt und die Handlung stetig fort geführt wird.
Alle Wege führen nach Rom
Von Beginn an auffällig wie das Spiel mehrerer Lösungswege für eine Aufgabe anbietet, die erste große Aufgabe haben wir deshalb mehrmals getestet. Es gilt dabei einen Weg aus einem Dorf heraus zu finden. Das Tor ist verschlossen und wird von unbezwingbaren Wachen verteidigt. Ihr habt nun die Möglichkeit Euch mit einem Nachbardorf zu arrangieren, einem Dokumentenfälscher seine Tinte zu beschaffen, oder einem zwielichtigem Dorfbewohner 3000 Credits zu geben, damit er Euch den alten Geheimpfad aus dem Dorf heraus zeigt. Überraschenderweise nimmt der Dorfbewohner gerne unser Geld und schließt sich daraufhin sofort auf Nimmerwiedersehen ein. So schnell wird man also übers Ohr gehauen. Gerade so kleine negative Wendungen können den Spielverlauf ebenso interessant machen, seid also vorsichtig wem Ihr Euer Geld anvertraut. Ich beschließe also im nächsten Anlauf dem Fälscher seine Tinte zu besorgen und selbst diese einzelne Nebengeschichte, teilt sich wiederum. Als Ihr die Tinte gefunden habt, spricht mich seine verbitterte Ehefrau an, die davon berichtet, wie der letzte mit schlecht gefälschten Papieren, sofort von der Wache erschlagen wurde. Ihr habt nun die Möglichkeit die Tinte dem Fälscher zu geben und auf die Papiere zu bauen oder der Ehefrau zu vertrauen, die Euch im Tausch ebenso den Geheimweg zeigen will. So geht die vorbestimmte Geschichte also immer wieder kleine Wege abseits des Hauptstrangs und gibt euch die Möglichkeit Eure Handlung selber zu bestimmen, was uns sehr gut gefallen hat. Zu guter letzt entdecken wir wirklich noch den Geheimpfad und neben einer Menge Erfahrung nehmen wir noch den abgeschlagenen Kopf, den uns ein kauziger Totengräber aufschwatzt, mit auf unsere Reise. Auf gehts in die weite Welt.
Two Worlds 2 macht technisch gesehen Einiges richtig, aber auch leider nicht Alles perfekt. So schwenkt die Grafikqualität der Konsolenversion zwischen erstklassig und Mittelmaß immer wieder hin und her. Viele Charaktere sind wirklich toll gezeichnet und gerade die Orks hinterlassen von Beginn an einen sehr guten Eindruck mit Ihrer abwechslungs- und detailreichen Gestaltung. Aber auch Gebäudedetails und Landschaften wissen durchaus zu gefallen. Nicht wirklich stimmig hingegen sind die zu vielen Weichzeichnungsoptionen, gerade innerhalb von Dialogsequenzen. Hinzu kommt das gerne einmal unser Held mit einem Fuß in der Luft steht, die Klinge in einer Wand verschwindet oder auch mal der Sperr des Gegners uns durch eine geschlossene Türe trifft. Sicher sind das keine großen Probleme, gerade bei einem Rollenspiel gibt es sicherlich wichtigere und größere Aspekte, zählt man aber zu viele von solchen Punkten verändert es die Wertung schnell von sehr gut auf gut.
Grafisch findet man immer wieder Anleihen aus Assasin´s Creed, wenn man innerhalb der kleinen Städte sich bewegt, Personen anrempelt oder über Dächer klettert. Hier merkt man deutlich den Unterschied zwischen älteren Rollenspielen wie Oblivion. Die Städte wirken wirklich bewohnt und lebendig. Bürger, Wachen und Verkäufer bevölkern die Städte und auch wenn die KI nicht auf höchstem Level spielt, rennt man zu mindestens nicht mehr durch schöne aber lehre Kulissen. In den Außenbereichen wirkt die Umgebung organisch, nur die Blendeffekte der Sonne wirken etwas übertrieben. Die Animationen hingegen können gerade bei Tieren nicht sonderlich überzeugen. Während man dem Helden noch seine etwas steifes laufen verzeiht, wirken die Tiere teils so als würden sich sich mit 1 Frame pro Sekunde statt mit 30 bewegen. Alles in Allem kann man aber bei Two Worlds 2 von einer guten Grafik, für ein Rollenspiel, sprechen. Viele individuelle Fehler werden von der gesamten Atmosphäre und Ausstrahlung wieder gut gemacht. Sound und steuerungstechnisch gibts hingegen Nichts zu meckern. Gerade die Synchronsprecher sind alles professionelle und bekannte Stimmen und so wird unser Held von dem Sprecher des aktuellen James Bond gesprochen. Schade eigentlich das man so wenige Möglichkeiten bei der Konversation hat, denn die Charaktere reden oft lange Monologe einfach vor sich hin.
Skill, Inventar und zaubern
Das Inventar-System lässt sich auf einer Konsole gut verwalten und schon nach kurzer Zeit solltet Ihr keine Probleme mehr haben Eure Gegenstände zu sortieren oder Waffen auszuwählen. Besonders großartig dabei die Möglichkeit Eure Waffen auseinander zu nehmen und neu zu schmieden. So sammelt Ihr die Waffen Eurer Feinde auf und zerlegt sie per Knopfdruck in Ihre Einzelteile wie Holz und Metall. Diese Materialien können daraufhin für das Aufleveln Eurer anderen Gegenstände genutzt werden. Praktisch dabei;: Das Inventar zeigt Euch sofort per Schmiedehammer Symbol an, welche Teile Eures Inventars sich aufwerten lassen. Hier offenbart Two Worlds 2 auch eine seiner größten Stärken, denn Ihr habt quasi endlose Möglichkeiten Eure Waffen und Zauberfähigkeiten auszubauen und nach belieben zu erweitern. Skillpunkte lassen sich gut zu ordnen und so formt Ihr einen Charakter nach eigenen Wünschen. Sollte Euch im Verlauf des Spiels eine frühere Entscheidung über die Charaktergestaltung nicht mehr gefallen, habt Ihr die Möglichkeit an bestimmten Orten gegen Bares Eure Skillpunkte komplett neu zu verteilen. Vorbildlich! Zauberer sind hierbei wesentlich komplexer und anspruchsvoller angelegt, als der typische Kämpfer. Die Nahkämpfe spielen sich meist in leichter Hack n Slay Manier und außer ein wenig ausweichen kloppt Ihr eigentlich fröhlich drauf los und lasst den meisten Gegner kaum eine Chance sich zu wehren.
Auch andere Aspekte wie Speicherpunkte oder Teleporter funktionieren sehr gut. Habt Ihr einmal einen Teleport Punkt gefunden, wird er auf der Karte verzeichnet und spart Euch gerade im fortgeschrittenen Verlauf des Spieles doch einige lange Laufwege. Nach jedem teleportieren wird automatisch gespeichert, aber gerade zu beginn Eures Abenteuers würden wir dazu raten lieber einmal zu viel als zu wenig zwischen zu speichern. Gerade beim Erkunden der Außenbereiche kann es doch mal eine böse Überraschung geben und der rasche Tod Euch holen. Im Verlauf der mindestens 25 Stunden dauernden Hauptkampagne wird man jedoch relativ mächtig, so das man mit den meisten Gegnern keine Probleme mehr bekommt. Die Spielzeit variiert nach Eurem persönlichen Spielverhalten und lässt sich ohne großen Mühen und ohne das es einem langweilig vorkommt auf über 40 Stunden steigern. Die Nebenhandlung verschwimmen so sehr mit der eigentlichen Hauptstory, das man häufig gar nicht bemerkt ob man einen Nebenquest löst oder nicht. So hat man fast unzählige Missionen die man aneinander reihen kann, während man die Welt erforscht und immer wieder neue Geheimnisse entdeckt. Karte und Questliste ist dabei sinnvoll mit einander verbunden und so lässt sich jeder Quest aktivieren und per fahren auf der Karte markieren. Sinn und planlose rum laufen findet man hier zum Glück gar nicht.
Hot or not? Das CSL Games and more Fazit
Pluspunkte:
+ Sehr umfangreiches Spiel + Sehr viele Quests + Unterschiedliche Lösungsansätze + Gute Charaktere + Guter Sound + Sehr gutes Skillsystem + Sehr viele Waffen + Schmiedefunktion + Viele Zaubermöglichkeiten + Tag und Nachtwechsel + Sehr gute Synchro + Glaubhafte Fantasywelt + Erwachsene Handlung + Gelungene Konsolensteuerung
Minuspunkte:
- Schlechte Animationen
- Schwankende Grafikqualität
- Wenige Kommunikation-Asuwahl
- Bescheidene KI
- Kämpfe etwas trist
Skillsystem, Zauberei und Waffen schmieden sind vorbildlich gelöst und so finden hier Rollenspielfreunde einen wirklich guten und außerordentlich umfangreichen Titel für die kalte Jahreszeit.
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Johnny